Walkabout - Medicine Walk
Ich liebe es ohne Ziel und Zeitrahmen durch die Natur zu wandern.
Nichts bringt mich so rasch aus den Gedanken, das innere Geschwätz verebbt und da ist nur noch der Augenblick, der Moment im Hier und Jetzt.
Oft gleite ich dann nahtlos über in einen Seelenspaziergang.
Die Aboriginals nennen es Walk About. Andere Indigene Völker Medicine Walk.
Schwellengang ist ein deutscher Versuch nach einem Begriff dafür.
Wichtig ist aber nicht das Wort dafür, sondern was dieser Gang alleine durch die Natur mit uns macht.
Ich gehe ohne Ziel, ohne Hast und ohne die ständige Versuchung des Handys – ohne Ablenkung, ohne Unterbrechung.
Schritt für Schritt gehe ich, werde mir meines Atems bewusst und meiner Schritte.
Allmählich ahne ich meinen Rhythmus, nicht den meines Arbeit- oder Alltags. Sondern der, der tiefer liegt, unter der Haut, tiefer unter meinem Atem.
Ein Erkennen, ein zaghaftes Wahrnehmen, eine Erinnerung gewinnt Raum – mein ureigener Rhythmus, der mich trägt, ganz von selbst, alt, immer schon da gewesen und gleichzeitig neu – sich erst webend aus meinen Schritten.
Der Rhythmus meines Herzens, im Einklang mit dem der Erde. Jeder meiner Schritte verbindet mich, tönt mit diesem ureigenen Rhythmus von etwas was viel größer ist als Meines. Das Leben selbst? Der Herzschlag der Erde in mir – Resonanz.
Ich kann ihn spüren, bis tief in meine Knochen. Wie die Wurzeln am Weg vor mir – freigelegt, offensichtlich, Wurzeln – Ahnenkraft.
Ich gehe nun nicht mehr alleine, ich gehe mit der Erde und denen, die vor mir waren. Ich trage ihres in mir, es ist Teil meines Rhythmus, meines Schrittes. Ein Wissen viel tiefer als Verstand. Vertrauen, Verbundenheit.
Ich gehe an einem Fluss, spüre die klare Luft mit jedem Atemzug, höre die Kraft und Lebendigkeit des Flusses. Und erinnere mich meiner eigenen Lebendigkeit – lebendig – voller Freude und Staunen über all die Wunder, die sich vor mir öffnen – tiefe Dankbarkeit für alles was ist. Erlebbar, fühlbar, berührend.
Umgeben von so viel Schönheit, Einzigartigkeit, Vielfalt – Regen, Sonne, Wind auf meiner Haut.
Steine unter, über und um mich. Lieder, Rufe, Laute, Gerüche, Weichheit, Stacheln, Früchte von Tieren & Pflanzen.
Und so vieles, für das Worte fehlen und umso mehr ist es – Spirit, Seele, Sein …
Ich werde gegangen, geatmet, gelebt von etwas, was so viel größer, weiter, grenzenlos ist, als Ich, als Mein. Ein Teil des Ganzen, übergehend, verschwimmend, sich auflösend und damit präsenter als je.
Walkabout – den Songlines der Erde und den Wesen, ihren Seelen folgend – ja, das trifft es wohl für mich am ehesten – und ist doch erst ein Anfang, ein Teil davon, ein Teil von mir und ich ein Teil von all-dem.
All-ein-s
Nähre Infos zu meinen Seelenreisen, die immer auch Walkabouts beinhalten unter Seelenreisen.
